Frankreich hat uns wieder

8,70 Euro für so ein kurzes Stück Autobahn gleich hinter der belgischen Grenze – Frankreich hat uns mal wieder. Aber was für eine Straße: Topfeben, keine Spurrille weit und breit, andere Fahrzeuge sind auch kaum zu sehen. Wir haben wieder mal Frankreich!
Die letzten 75 Kilometer tauchen wir dann ein in die Landschaft, auf kleinen Straßen entlang dieser ordentlich aufgeräumten Felder, üppig mit reifem Korn besetzt oder schon abgeerntet,
Stoppeln in Reih und Glied.

Und dann tauchen wir auf in Fécamp, direkt am Hafen.

Ville jumelée unserer früheren Heimatstadt, nix so Besonderes in Brittas Erinnerung. Sie war zum Schüleraustausch da, das Wetter war damals wohl nicht so toll, Normandie eben. Wir erleben jetzt eine andere Welt. Eine strahlende Sonne, die abends blutrot direkt im Meer versinkt. Ein Riesenrad, das sich im Hafenbecken zwischen den kleinen Bötchen fast perfekt spiegelt – begleitet vom Vollmond. Eine Hafeneinfahrt mit langen Stegen auf einer Fachwerkkonstruktion, die im letzten Licht magisch erstrahlt.

Am nächsten Morgen übernimmt am Hafen wieder die Sonne das Ruder, Kurs 35 Grad.. Eintauchen ist angesagt: Diesmal ins gefühlt eiskalte Wasser. Im Lauf des Tages wird das Meer zwar nicht nennenswert wärmer. Aber je öfter wir reingehen, desto geringer wird die Überwindung. Und als so eine Art äußere Balance wiederhergestellt ist – die innere passt an so einem lange ersehnten Sommertag sowieso –
geht es weiter nach Etretat.

Ein Durdle Door in Mini hatten wir erwartet. Blick am Strand nach rechts: Ja, mini, ein bisschen plump noch dazu. Blick nach links: Hoppla. Ein imposant hohes, noch dazu feingliedriges Tor steht da vor der Steilküste im Meer. Die Sonne, die jetzt nicht mehr unbarmherzig, aber auch nicht auf Sparflamme brennt, hält sich dahinter auf. Also rauf auf die Klippen. Und siehe da: Noch ein Tor, diesmal fester gebaut, taucht auf. Wir gehen weiter, bis wir das erste Tor durch das zweite Tor hindurch erkennen können. Eintauchen in die Erdgeschichte, sozusagen. Heimstolpern im Dunkeln, trunken von all den Eindrücken.

Ein Tor im Tor

 

Frühstücken. In Deauville, nicht spektakulär, einfach nur harmonisch mit seiner Nachbarstadt Trouville-sur-Mer. Geschäftiges Treiben auf dem großen Markt, Stadtleben eben. Abends nach Barneville. Irgendwie scheint hier jedes Dorf Ville, also Stadt, zu heißen. Falsch: Zu Barneville gehört Carteret. Mal ein Stadt-Dorf-Örtchen, das keinen Titel braucht, um sich zu adeln.

Und dann geht es zu dem Ort, den jeder kennt, obwohl er wenig von einer Stadt im heutigen Sinne hat:
Le Mont-Saint-Michel, die berühmte Insel vor der normannischen Küste.

Trutzburg

 Die Insel, die auf dem Trockenen liegt. Zumindest, als wir ankommen. 14 Meter Tidenhub gehen eben nicht spurlos an einem vorbei, der nah am Wasser gebaut hat. Heul. Verzweifelte Suche nach einer Perspektive, die uns doch in dieses Motiv eintauchen lässt. Bis ganz nah ans Objekt der Begierde, den heiligen Berg. Vielleicht mit dem Priel mit im Bild? Verdammt, wieso fühlen sich die Füße plötzlich so eingetaucht an? 14 Meter Tidenhub gehen eben nicht spurlos an einem vorbei, der nah am Priel steht. Mit ungeheurer Wucht strömt das Meer herein, um den Mont zu einer Insel zu machen. Und zum Motiv, endlich,
das zum Eintauchen einlädt.

Die zur Insel wird

 

Und stundenlang fasziniert

 

Hier geht das Abenteuer weiter: Bretagne

Einige weitere Bilder hier in den Fotogalerien:

Fécamp

Etretat

Mont Saint Michel

Tief im Westen

Ankommen

Eintauchen

Staunen

TEXT BY DR. JOERG HILPERT, JOURNALIST

PHOTOS AND CREATION BY BRITTA HILPERT, PHOTOGRAPHER