Saint-Malo braucht so viel Mühe nicht. Ja, das ist eine Ville, Punkt. Eine Ville intra-muros gibt es hier, komplett von einer Stadtmauer umgeben, jawoll, wir sind eine Stadt. Und eine extra-muros, da stehen die neueren Häuser. Und da ist das Meer, immer, auch bei Ebbe. Die Maloaner – Maloesen – Malois? haben sich extra Becken an der Küste betoniert, damit das Wasser nie so ganz geht. Eintauchgarantie. Schlau. Sollten sich die Mont-St.-Michelaner auch mal überlegen. Obwohl: Die haben doch gerade erst die hässlichen Parkplätze direkt am heiligen Berg zurückgebaut...

Mehr Meer

 

Extra Muros

 

Wir tauchen dann noch in die kleine Welt der Partnerstadt ein. Schon wieder? Na, das ist die Ville jumelée der Stadt, in der wir jetzt leben. Ist halt zufällig recht nah. Allerdings nicht mehr Normandie, sondern Bretagne. Schöne Bretagne. Allerdings entscheiden wir uns abends für die „schäl Sick“: Plötzlich geht die Sonne nicht mehr so schön ins Meer unter, sondern in unserem Rücken. Abgetaucht irgendwie in den Büschen, klammheimlich.

Schon so weit gefahren?

 

 

Partnerstädtchen

Völlig unversteckt kommt am Morgen die Invasion. Nicht übers Meer, sondern von dort, wo sich am Abend zuvor die Sonne verdrückt hat. Eine große amerikanische Truppe, Jeeps, schwere Kranwagen dabei und dieses merkwürdig dumpfe, aber doch durchdringende Geheul, das sonst nur für Kriegsfilme wichtig ist. Ein komisches Gefühl, da mit deutschem Kennzeichen direkt am Straßenrand zu stehen.

Invasion

Die Bucht taucht hinter uns ab, wir tauchen ein in ein Sträßchen, das Zugang zu den Falaises verspricht. Angeblich sind hier die höchsten Klippen der Bretagne, sehen können wir davon nichts. Wir sehen nur, dass das Sträßlein zunehmend zum engen Tunnel wird. Raus hier, auftauchen.
Wir geben der Bretagne noch eine Chance, fahren ganz in den Westen, da wo sich der Ärmel des Kanals weitet zum offenen Meer hin. Ja, ein schönes Fleckchen Erde, leider hat sich das Wasser wieder einmal verabschiedet von der Küste. Dafür kommt es abends vom Himmel. Die Bretagne mag uns irgendwie nicht. Und dann noch so viele Deutsche hier. Vielleicht sind wir zu verwöhnt von der südenglischen Küste.

Buchten-Hopping

 

Am Morgen erfreuen wir uns an der schönen Runde entlang der Küste, Buchten-Hopping sozusagen. Kraxeln lange an einem Felsen im Wasser herum, bloß nicht reinfallen. Sonst würden wir wörtlich eintauchen. Und das Wort ist hier doch nur im übertragenen Sinne so oft gebraucht – passt auch zum Abschied aus der Bretagne, eine lange Fahrt durch die oft Farn-gesäumten Straßen, ein letztes Mal grüßen die kugelig-üppigen Hortensien und die feingliedrig-orangen Montbretien, die auch sehr an Südengland erinnern. Eintauchen in eine graue Suppe, fast hochneblig hängt es in der Luft. Und auftauchen in wohliger Wärme kurz vor Nantes. Auch das Licht des Südens scheint jetzt da zu sein, dieses klar-warme Leuchten. Passt schon auf der Höhe von Lyon.


Hier geht das Abenteuer weiter: Bordeaux

Einige weitere Bilder hier in den Fotogalerien:

Saint Malo

Pleurtuit

Tief im Westen

TEXT BY DR. JOERG HILPERT, JOURNALIST

PHOTOS AND CREATION BY BRITTA HILPERT, PHOTOGRAPHER