In Nantes verpassen wir nicht das Meer, aber irgendwie die eigentliche Ville. Wo wir uns herumtreiben, ist nichts los, es stinkt und bereitet Unwohlsein. Ähnliches gilt bei La Rochelle auf der Suche nach einem Platz für die Nacht. Ehe wir uns in einem der vielen französischen „Bourgs“ wiederfinden und einfach auf dem Parking stehen bleiben. Die Nachbarn schließen ihre Läden, alles in Ordnung und endlich Ruhe.

Nantes nervt…

 

Am nächsten Morgen immer noch Ruhe. Ein älterer Herr zirkelt sein Auto aus der tiefergelegten Garage, schön an unserem Heckfahrradträger vorbei, lässt den Wagen mit laufendem Motor stehen. Ich gehe mit annähernd schlechtem Gewissen mal raus, er kommt zum Auto und fragt: Habt Ihr gut geschlafen? Ja, versichere ich höchst erleichtert und wünsche ihm einen guten Tag. Nette Leute hier.

Die Ile de Ré haben wir bei dem ganzen Durcheinander ausgelassen, dafür geht's auf die Ile d’Oléron. Eine schöne Ecke. Haben auch andere erkannt. Sagt uns Isabelle, unsere französische Freundin, später. Auch die Promis zieht es jetzt hierhin. Gut, die haben wir nicht gesehen. Dafür nette Orte, die den Spagat noch schaffen zwischen beliebt und trotzdem angenehm sein.

Eine Insel besänftigt…

 

Und dann entdecken wir eine richtig nette Stadt für uns. Bordeaux soll schön sein, hieß es. Das heißt es oft über Städte. Deswegen sagen wir es mal so: Bordeaux ist eine Wucht!

Und Bordeaux begeistert!

 

Eine alte Stadt, die stolz zu ihrer Patina steht. Und die Zeichen der Zeit erkannt hat, eher noch Zeichen setzt. Sieben Kilometer sind es vom Stellplatz am See – nachts quert da auch mal eine fette Bisamratte den Weg – bis zur City. Und diese sieben Kilometer sind für Fahrradfahrer göttlich. Durchgehend auf eigenen Wegen, durchdacht und nicht irgendwie reingequetscht, teils durch Betonstreifen vom motorisierten Verkehr getrennt. So macht das Eintauchen in eine Stadt Spaß. Erst recht, wenn sie einen dann mit so pulsierendem Leben empfängt, mit so viel Elan, den die Menschen ausstrahlen und am Ende, so scheint es, gar die alten Tore der Stadt. Schwer, da einfach weiterzufahren.

Patina trifft Postmoderne

 

Also: Noch ein Tag Bordeaux, die Schöne? Oder wieder raus in die Natur, zur höchsten Düne Europas? Wahrscheinlich nur Touristenrummel dort. Die Anfahrt lässt Böses befürchten. Stadt-Stau aus Bordeaux heraus. Touri-Stau Richtung Arcachon. Dann ein Ameisenstraße auf Sand: Touristen auf der Düne. So wie wir, aber so wollen wir es nicht. Ein Campingplatz reiht sich an den anderen, wir nehmen den, in dessen Hintergrund ein ordentlicher Sandhaufen zu sehen ist. Wohl nur zwei, drei Kilometer vom großen Gäste-Einfallstor entfernt, aber die Atmosphäre ist eine ganz andere. Von unserem Stellplatz aus sieht der Sandhaufen fast aus wie eine bedrohliche Wand, erst recht, als der Schatten kommt. Schon beeindruckend.

Im Schatten der Düne

 

Das Hochsteigen ist beschwerlich, zum Glück gibt es die auch schon halb eingesandeten Treppen. Das Hinunterstapfen macht richtig Spaß, wie in Siebenmeilenstiefeln geht es voran, ohne jede Rutschgefahr trotz des Steilhangs, der Sand saugt die Füße förmlich an, mit jedem Schritt tauchen sie neu ein. Abends fällt uns die halbe Dune du Pilat aus den umgekrempelten Hosenbeinen. Gut, beim Zusammenfegen ist es doch nur eine halbe Kehrschaufel. Trotzdem ein Wunder, wie sich dieser Sandhaufen eigentlich halten kann. Die Kinder haben ihren Spaß an dem dreidimensionalen Sandkasten. Ist halt was anderes, als immer nur Löcher zu buddeln, Sandkuchen zu backen oder leicht vergängliche Sandburgen zu bauen,
die das Meer gleich wieder verschlingt.

Sandkastenspiele
der anderen Art

 




           Abenteuer weiter: Baskenland und Heimreise

Einige weitere Bilder hier in den Fotogalerien:

Bordeaux

Arcachon

Tief im Westen

TEXT BY DR. JOERG HILPERT, JOURNALIST

PHOTOS AND CREATION BY BRITTA HILPERT, PHOTOGRAPHER